Vorwort
Eine flackernde Lampe, ein abgesagtes Wochenende, eine Rechnung, ein Satz im Freundeskreis: Von aussen betrachtet sind es kleine Anlässe. In einer Beziehung tragen solche Momente jedoch oft mehr mit sich, als in ihnen sichtbar ist. Sie berühren die Frage, ob man sich verlassen kann, ob ein Wunsch überhaupt Platz haben darf, ob Verantwortung gleichbedeutend mit Alleintragen ist und wie man sich schützt, ohne einander dabei aus den Augen zu verlieren. Dieses Buch erzählt nicht von einer perfekten Methode für Streit. Es erzählt von Timo und Sofia, die in einer vertrauten Schleife festhängen. Sofia benennt eine Wirkung und möchte damit Nähe herstellen. Timo hört darin oft ein Urteil über seinen Wert und beginnt zu erklären, wegzuwitzeln, zu planen oder sich zurückzuziehen. Je genauer Sofia wird, desto mehr fühlt Timo sich geprüft. Je sachlicher oder stiller Timo wird, desto mehr fühlt Sofia sich allein.
Haltungssatz: Dieses Buch erzählt von zwei individuellen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, nicht von unveränderlichen Geschlechterregeln. Timos Schutzimpulse sind keine Eigenschaft „der Männer“, und Sofias Wunsch nach Klarheit ist keine Eigenschaft „der Frauen“. Beide haben eine Geschichte, eigene Stärken und gute Gründe für das, was sie in Belastungssituationen tun.
Die Szenen und Übungen laden dazu ein, Konflikte nicht als Wettbewerb um Recht zu behandeln. Sie fragen vielmehr: Was wurde gerade gehört? Was wollte jemand schützen? Und wie kann ein Rückweg entstehen, wenn beide für einen Moment nicht weiterwissen?
