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1 Vorwort

Dieses Buch beginnt nicht mit einer grossen Entscheidung. Es beginnt mit einem Dienstagmorgen, einer Uhrzeit und zwei Menschen, die merken, dass Nähe nicht allein daran zu erkennen ist, wie sehr man sich vermisst. Manchmal zeigt sie sich darin, wie jemand eine Frage stellt. Darin, dass ein Platz frei bleibt. Oder darin, dass ein Satz nicht sofort weitergegeben, gedeutet oder gelöst werden muss. Noa Lind und Mara Hartwig haben am Ende von Der Tisch mit zusätzlichen Stühlen gelernt, dass Zugehörigkeit nicht dadurch entsteht, dass alle gleich denken oder niemand aneckt. In dieser Fortsetzung stehen sie vor einer anderen Aufgabe: Wie bleibt man verbunden, wenn Wege, Arbeitszeiten und Verantwortungen sich verschieben? Wie lässt sich ein gemeinsames Vorhaben gestalten, ohne dass es eine der beiden auffrisst? Und wie kann ein Viertel zuhören, ohne die Erfahrungen seiner Menschen einfach einzusammeln? Die Geschichte erzählt von Beziehung, aber sie versteht Beziehung nicht als abgeschlossenen Raum zwischen zwei Personen. Sie erzählt auch von Kolleginnen, Nachbarinnen, Arbeitsgruppen, Bänken, Formularen, Fahrplänen und den Dingen, die in einem Viertel oft unsichtbar bleiben, bis jemand nach ihnen fragt. Kaya Stern, die Noa aus einer früheren Beziehung kennt, wird dabei zu einer Figur mit eigener Stimme: nicht als Bindeglied zwischen zwei Frauen, sondern als Fachfrau für Rückmeldungen, Grenzen und öffentliche Verantwortung.

Haltungssatz: Dieses Buch erzählt von individuellen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Schutzstrategien. Es sucht keine Schuldigen, keine einfachen Geschlechterregeln und keine perfekte Form von Nähe.

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