Ouverture
anfühlt: Wer hat diese Nacht mehr geschlafen? Wer hat den Termin im Blick? Wessen Zeit ist verschiebbar? Wer darf erschöpft sein, ohne es erst beweisen zu müssen? Leonie ist Lektorin und bemerkt früh, wenn etwas fehlt: ein Lätzchen, eine Antwort, ein Schlafzeichen, eine Sache, die bald erledigt werden muss. Ihre Aufmerksamkeit ist eine Stärke. Belastend wird sie dort, wo alles, was sie bemerkt, automatisch bei ihr landet. Felix arbeitet als Lichtdesigner am Theater. Er kann präsent und geduldig sein, besonders wenn ein Raum klar ist. Schwieriger wird es, wenn Aufgaben unsichtbar entstehen und er aus Rücksicht fragt, statt selbst zu sehen, zu entscheiden und anzufangen. Dieses Buch handelt nicht von festgeschriebenen Rollen und nicht von einer perfekten Aufteilung. Es handelt von zwei Menschen mit unterschiedlichen Wegen, Sicherheit zu suchen: Leonie durch Überblick, Felix durch klare Aufgaben und sichtbare Handlungen. Beide wollen Fürsorge. Beide wollen nicht, dass der andere Mensch im Elternsein verschwindet. Und beide müssen lernen, dass gute Absichten noch keine gemeinsame Zuständigkeit sind.
Haltungssatz: Dieses Buch erzählt von individuellen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, nicht von unveränderlichen Geschlechterregeln.
Die Geschichte bietet keine Formel, mit der Schlaf, Care-Arbeit, Nähe, Beruf und Eigenzeit dauerhaft glatt verteilt werden können. Mit einem kleinen Kind bleibt vieles unplanbar. Das Ziel ist deshalb kleiner und zugleich anspruchsvoller: eine Sprache zu finden, in der Überforderung früher sichtbar wird; Verantwortung nicht erst auf Anfrage beginnt; ein Nein nicht als Entzug von Liebe verstanden wird; und Unterstützung so konkret sein darf, dass sie wirklich entlastet. Die Fragen und kleinen Übungen nach jedem Kapitel sind Einladungen, keine Prüfungen. Sie können allein, zu zweit oder in einer anderen Form von Sorgegemeinschaft genutzt werden. Es geht nicht darum, die Antworten von Leonie und Felix zu übernehmen. Es geht darum, die eigenen Wörter für eine Frage zu finden, die im Familienalltag leicht verloren geht: Wer ist gerade dran? Was braucht diese Person? Was übernehmen wir wirklich – und was darf heute liegen bleiben?
Wie dieses Buch gelesen werden kann
Leseweise Nutzen Als fortlaufende Geschichte Leonies und Felix’ Entwicklung vom ersten un klaren Nachtmoment bis zum Morgengrau als erzählerischen Bogen verfolgen.
Leseweise Nutzen Kapitelweise nach Thema Bei einer aktuellen Frage zu Schlaf, Zuständig keit, Eigenzeit, Nähe, Beruf oder Unterstützung von aussen einsteigen.
Zu zweit Die Gesprächsfragen als ruhigen Einstieg nut zen, ohne sofort eine Lösung finden zu müssen.
Allein Eigene Bedürfnisse, Grenzen und Vorstellungen von geteilter Verantwortung klarer erkennen.
